Kinowetter

Wir befinden uns mal wieder in der zweiten Wochenhälfte, die in diesem Sommer offenbar traditionsgemäss schlechtes Wetter mit sich bringt. Da wir aber aus der Erfahrung der letzten Wochen wissen, dass es spätestens am Sonntag wieder wunderschön wird, blasen wir nicht lange Trübsal sondern tun das, was man bei diesem Wetter immer tut: wir gehen ins Kino. Ein Grund dafür wäre Joschka und Herr Fischer, die seit einer Woche gezeigte Biographie des deutschen Ex-Ausseministers und deutschen Grünens der ersten Stunde.

Wie viele Bio-Pics leidet auch dieser Film zwar an einer gewissen Schönfärberei, was die Kritiker nicht übersahen und deshalb auch nicht viel Gutes am Werk von Pepe Danquart, inzwischen ein Freund Fischers, liessen. Dabei hat dieser filmisch wirklich hervorragende Arbeit geleistet und einen wunderschönen und sehr modernen Dokumentarfilm gedreht, der als solcher unbedingt als Messlatte für künftige Dokumentarfilme gelten soll. Trotz einer Länge von über 2 Stunden wird es nie langweilig, wenn Fischer uns auf eine Zeitreise durch seine 60 Jahre Deutschland mitnimmt.

Danquart arbeitet nur mit historischem Bildmaterial und Interviews, ohne jegliche kommentierende Untertitel oder fremde Off-Kommentare. Die alten Filmschnipsel, die er verwendet, sind sorgfältig ausgewählt, teils noch ungesehen und nie historisch überladen (mit Ausnahme der Hitler-Szenen vielleicht), während die Interviews mit Fischer und seinen Zeitgenossen mit einfachen Mitteln äusserst bildstark inszeniert sind. Wer dem in die Jahre gekommenen und rundlich gewordenen Herr seine Selbstgefälligkeit im Hinblick auf seine zweifellos ausserordentliche Vita verzeiht und einfach zeitgenössisches Dokumentarfilmen at it’s best geniessen möchte, der sollte den Film auf keinen Fall verpassen.

Joschka und Herr Fischer läuft  in Zürich im Riff Raff.

This entry was written by zmy, posted on June 30, 2011 at 6:25 pm, filed under Film. Leave a comment or view the discussion at the permalink.