Ein Deutscher aus Chile

 Atom™ 2008

Für morgen Mittwoch möchten wir euch einen Abstecher ins Moods empfehlen. Der fabulöse Señor Coconut and his Orchestra geben sich dort wieder Mal die Ehre und sicherlich werden sie auch morgen mit ihrem Around the World-Programm wieder Tanzmusik vom feinsten bieten. Wer kann schon stillstehen bei Merengue und Cha-Cha-Cha?

Señor Coconut kommt ursprünglich aus dem grossen Kanton und hat sich aber zum Glück vor einigen Jahren nach Santiago de Chile abgesetzt, wo er mit lateinamerikanischen Rhythmen experimentierte und von nun an Latin-Electro-Covers von Klassikern wie Da Da Da oder eben Around the World fabrizierte. Also, packt euren besten Hüftschwung aus und singt mit.

Señor Coconut auf Myspace

 

This entry was written by zmy, posted on November 8, 2011 at 7:56 pm, filed under Musik and tagged , , , . Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Stay City

Es ist Sonntag und die Stadt so grau wie alle Mäuse dieser Welt zusammen. Endlich, ist man versucht zu sagen, erfüllt sie die Erwartungen.

Wie immer am Wochenende ist die Innenstadt auch heute überschwemmt von Touristen. Was machen die eigentlich alle hier?  Und dann beschweren sie sich auch noch die ganze Zeit (irgend etwas ist zu Hause immer besser, und in der Tube ist es eh viel zu heiss, verdammt nochmal) und straucheln grösstenteils sowieso alle nur verwirrt durch die Stadt. Aber sie gehören genauso zu London wie die 83 Restaurantketten, welche langsam aber sicher das Stadtbild uniformieren. Man kann sich hier einen Sport daraus machen, irgendwo (wirklich irgendwo, nicht nur in der Innenstadt) in ein hübsches Kaffee, ein nettes Restaurant oder ein trashiges Pub zu sitzen und darauf wetten, ob das Lokal einer Kette angehört. Ich habe mich zwar inwzischen daran gewöhnt, kann mit fast reinem Gewissen ein Sandwich in einem netten kleinen perfekt thematisch dekorierten Tapas-Laden essen, obwohl ich weiss, dass jemand zwei Strassen weiter genau dasselbe Sandwich im genau gleichen Ambiente verdrückt. Aber verstehen tut man es trotzdem nicht. Ausgerechnet die Londoner, die sich sonst keine einzige Möglichkeit zum Demonstrieren der eigenen Individualität entgehen lassen, sind kulinarisch absolut gleichgeschaltet. Deshalb sollte man jede Entdeckung eines unabhängigen Gourmettempels mit einem extra grossen Festmahl und einem anständigen Trinkgeld an den bestenfalls extremly handsome Kellner feiern.

Und vielleicht gerade weil die eigenen Erwartungen nun erfüllt sind, fühlt man sich sehr zu Hause. Die Pancakes zum Frühstück schmecken besser denn je, die Gummistiefel passen, die Cracker sind knusprig. Die Halbzeit ist erreicht und wenn man in dickem Pulli und Schal sein Geschirr in die Abwaschmaschine einräumt, denkt man manchmal daran, dass man ja eigentlich aus diesem Paralleluniversum ohne Geschirrspüler stammt und bald wieder dorthin zurückkehren muss.

Ps.: Es dunkelt jetzt um halb fünf ein, ich will gar nicht daran denken, dass die Wintersonnenwende noch über einenhalb Monate entfernt ist. Vermutlich werden sie bald die Weihnachtsbeleuchtung einschalten, die schon seit 4 Wochen bedrohlich über der Oxford Street hängt.

This entry was written by zmy, posted on October 31, 2011 at 7:33 pm, filed under Zoë aus London. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Hader spielt Hader in Zürich

Plakat Hader spielt Hader

Joseph Hader kommt mit seinem vielleicht besten Programm ins Kaufleuten. Der Österreicher spielt sich selbst und als Schweizer kann man sich zwei Stunden lang in des ersteren Dialekt suhlen und einem schlichtweg souveränen Kabarettisten bei der Arbeit zuschauen und -hören.

Ohne zu viel vorwegzunehmen: “Hader spielt Hader” ist das fünfte Kabarettprogramm des bissigen Österreichers. Es basiert auf Ausschnitten seiner früherer Stücke, kommt aber dennoch als eigene Schöpfung daher. Wie es sich für Kabarett gehört, singt Hader dabei auch.
Kostprobe: Das ist Freiheit.

Hader selbst zu seinem Stück:

Mittwoch, 26. Oktober, 19:30, Hader spielt Hader, Kaufleuten.

Homepage: http://www.hader.com/

This entry was written by zmy, posted on October 25, 2011 at 5:49 pm, filed under Kabarett and tagged , , , , , , . Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Shooting Star

Normalerweise würde ich nicht daran denken, an einem Hügel oder 15 Minuten von der nächsten Busstation entfernt zu wohnen. Aber in London, der Stadt am Strassenrand parkierten Maybachs vor den Stadtwohnungen, muss man als verwöhnte Zürcherin so seine Kompromisse eingehen, sodass nun plötzlich beides wahr geworden ist.

Und nach zwei Wochen und ein paar Nachhausewegen erwischte ich mich gestern doch tatsächlich dabei, wie ich auf dem viertelstündigen Nachhauseweg gespannt Ausschau nach Fröschen und meinem Lieblingsfuchs hielt und mit dem Kopf im Nacken in den Himmel gestarrt habe, während ich tatsächlich ins schlendern geriet. Am Wochenende hatte ich nämlich schon eine Sternschnuppe gesehen, während die ewig beleuchtete Stadt in meinem Rücken still orange-rosa vor sich hin glühte. “Fange ich etwa an, meinen Heimweg zu mögen?” fragte ich mich dann. Aber als ich dann heute mit einer Sporttasche (denn hier geht man ins Uni-Fitness), einer Einkaufstasche (gefüllt mit erstaunlich geniessbaren Mikrowellenmenüs) und einem Schirm im schüttenden Regen nach Hause stolperte, klatschte mir die kaltnasse Wahrheit ins Gesicht. Nein, ich mag meinen Nachhauseweg nicht. Er ist zu lang und zu steil. Aber er hat viel Potential. Und ich hoffe trotzdem, dass ich mir weiterhin eine Wohnung im flachen und gut vernetzten Zürich leisten kann und ich nie, nie, auf den Züriberg ziehen muss.

Ps. Der Bus, der mich in die Stadt und zurück bringt, ist natürlich ein roter Doppeldeckerbus, in welchem ich im oberen Stock zuvorderst sitze und ungläubig die Aussicht geniesse. Ich erschrecke immer noch sehr oft und meine, wir würden mit einem entgegenkommenden, auf der falschen Seite fahrenden, Auto zusammenstossen oder wir würden in den superengen Strassen einen Kerichtabfuhrwagen rammen. Bis jetzt ist aber nichts passiert.

 

This entry was written by zmy, posted on September 28, 2011 at 9:21 pm, filed under Zoë aus London. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Be my new man

Die Youtube-Ausbeute des Wochenendes ist klein, aber dafür von höchster Qualität. So auch dieser Track von Willy Moon, der zwar auf der Retrowelle schwimmt, aber auf dieser ganz, ganz obenauf. In 2 Minuten einen Ohrwurm produzieren, das muss man erst mal schaffen! Schade nur, gibt’s bis jetzt von dieser Augenweide noch nicht mehr Ohrenschmaus im Netz.

This entry was written by zmy, posted on September 24, 2011 at 11:34 pm, filed under Musik and tagged , , , . Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Ankommen

Es ist Sonntagabend, “Halb zwölf meine Zeit”. Wie unendlich weit gereist man sich fühlt, wenn man auf einen Zeitunterschied hinweisen kann. Eigentlich bin ich überhaupt nicht weit gereist. Ein paar Kilometer nach Norden, einige in den Westen, über einen grossen Kanal und schon war ich da. Letzten Dienstag kam ich an. Mit wenig Gepäck, wenig Erwartungen und einzig einer Adresse im mir damals noch geheimnisvoll klingenden Stadtteil “Highgate”.

Meiner Meinung nach ist “Stadtteil” für Londons Stadtteile eine komplette Fehlbenennung; vielmehr erscheint mir London nach meiner ersten Woche als eine grosse Patchworkdecke aus lauter kleinen Dörfern. So zum Beispiel auch Highgate Village, wo ich wohne und wo ich bei einem meiner Spaziergänge tatsächlich schon eine Kreuzung gefunden habe, von welcher aus man die ganze pulsierende “Down Town” überblicken kann. Und wenn man da so runterschaut, erscheint es einem ziemlich unmöglich, dass man in der selben Stadt wie David Cameron wohnt.

Highgate bietet nicht nur einen der höchsten natürlichen Punkte in der Stadt, sondern grenzt, zufälliger- und glücklicherweise gerade mit der Strasse an der ich wohne, auch direkt an Hampstead Heath, den zweitgrössten Park der Stadt. Gut, das hat mir zwar in den Anfängen (vor dem Besuch der Apotheke) grössere allergische Beschwerden beschert, aber so ein Sonnenuntergang, der einen ganzen Park in goldenes Licht taucht, ist eine wunderbare Wiedergutmachung. Denn ja, ich kann einen solchen Sonnenuntergang von meinem Zimmer aus bestaunen.

Aber um nur im Zimmer zu hocken und dem Sonnenuntergang zu frönen, war die vergangene Woche für Londoner Wetterverhältnisse dann doch eine viel zu schöne. So hab’ ich meine Siebenmeilenturnschuhe angezogen und bin gelaufen, weiter gelaufen und noch weiter gelaufen. Die Spaziergänge waren wunderbar, Backsteinhäuser, die grossen und die kleinen Parks, der Fluss und viele Märkte zogen nur so an einem vorbei, während man sie gleichzeitig in sich aufsog. Allerdings bleibt nach fünf solchen im wahrsten Sinne des Wortes “vergangenen” Tagen nur die Erkenntnis, dass die Stadt einfach unendlich gross sein muss, wenn man sie immernoch nicht ansatzweise ganz gesehen hat. Wird man sie je gesehen haben?

Ps. Ich musste beim Kaufen einer Schere (mit ca. 6 cm langen, vorne abgestumpften Klingen) meine ID zeigen.

 

This entry was written by zmy, posted on September 19, 2011 at 11:08 am, filed under Zoë aus London. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Wo waren wir?

Lang ist’s her, seit dem letzten grossen Post. Bei jenen hitzigen Temperaturen (der Sommer scheint bereits Lichtjahre entfernt, doch tatsächlich war es vor 2 Wochen noch 30 Grad) ist erstens mehr Ruhe als los angesagt und es wurde zudem für überflüssig befunden, eine weitere, dieser bereits wie Sand an der Côte d’Azur existierenden, “Anleitungen für den Sommer” zu veröffentlichen. Seien wir doch einmal ehrlich, was man bei heissen Sommertagen und flimmernd lauen Stadtnächten unternehmen kann (und bisweilen muss), weiss schliesslich jedes Kind. Und ja, der Sommer war schön, wir haben alle Glacésorten probiert, haben uns Velofahrerwädli antrainiert und unseren Köpfler perfektioniert.

Tempi passati! Es ist jetzt nämlich Herbst, es regnet und das neue Semester steht vor der Tür. Ach, und Zoë ist in London. Ruhelos wie sie ist, wird an dieser Stelle hie und da aus der Stadt des riesigen Rades Bericht erstatten, während Tom selbstverständlich  mit seinen Tipps dafür sorgen wird, dass euch zahlreichen Lesern in Zürich und sonstigen schweizer Metropolen nicht langweilig wird.

Achtung, Herbst, los!

This entry was written by zmy, posted on at 11:04 am, filed under Kategorielos. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Kulturfestival

Ruhelos linst Zürich mal wieder herüber zur Hauptstadt des nächsten Ostens, nach St. Gallen. Dort hat vorgestern das 7. Kulturfestival St. Gallen begonnen, das man hier im schönen Zürich tatsächlich noch als Geheimtipp handelt, obwohl es mit einem grossartigen Line-Up (hier direkt zum Programm) von schon längst bekannt gewordenen Ex-Geheimtipps auftrumpft. Darunter wären zum Beispiel Da Cruz (heute!), die modernsten elektronischen Bossa Nova vom feinsten spielen, Dunkelbunt, der den grossen Balkan-Pop-Tsunami überstanden hat und immer noch experimentelle und gleichzeitig leichte, tanzbare Gute-Laune-Musik mit östlichen Wurzeln macht, und Le Trio Joubran mit ihren poetischen musikalischen Verführungen aus dem Orient. Und nicht zu vergessen: Auch Bodi Bill sind dabei – für diejenigen, welche die kühnen berliner Elektrojungs kürzlich in Zürich verpasst haben.

Ganz nebenbei lohnt sich der Festivalbesuch nicht nur wegen der musikalischen Köstlichkeiten sonder natürlich auch wegen der (zumindest bei schönem Wetter) zauberhaft entspannten Sommerabend-Atmosphäre im zweckentfremdeten Innenhof des Völkerkundemuseums, die fast schon perfekte Location für den Anlass. Die Konzerte finden bei jeder Witterung statt und Tickets gibt es hier. Also: hingehen, lauschen und tanzen!

This entry was written by zmy, posted on July 7, 2011 at 3:16 pm, filed under Musik. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Kinowetter

Wir befinden uns mal wieder in der zweiten Wochenhälfte, die in diesem Sommer offenbar traditionsgemäss schlechtes Wetter mit sich bringt. Da wir aber aus der Erfahrung der letzten Wochen wissen, dass es spätestens am Sonntag wieder wunderschön wird, blasen wir nicht lange Trübsal sondern tun das, was man bei diesem Wetter immer tut: wir gehen ins Kino. Ein Grund dafür wäre Joschka und Herr Fischer, die seit einer Woche gezeigte Biographie des deutschen Ex-Ausseministers und deutschen Grünens der ersten Stunde.

Wie viele Bio-Pics leidet auch dieser Film zwar an einer gewissen Schönfärberei, was die Kritiker nicht übersahen und deshalb auch nicht viel Gutes am Werk von Pepe Danquart, inzwischen ein Freund Fischers, liessen. Dabei hat dieser filmisch wirklich hervorragende Arbeit geleistet und einen wunderschönen und sehr modernen Dokumentarfilm gedreht, der als solcher unbedingt als Messlatte für künftige Dokumentarfilme gelten soll. Trotz einer Länge von über 2 Stunden wird es nie langweilig, wenn Fischer uns auf eine Zeitreise durch seine 60 Jahre Deutschland mitnimmt.

Danquart arbeitet nur mit historischem Bildmaterial und Interviews, ohne jegliche kommentierende Untertitel oder fremde Off-Kommentare. Die alten Filmschnipsel, die er verwendet, sind sorgfältig ausgewählt, teils noch ungesehen und nie historisch überladen (mit Ausnahme der Hitler-Szenen vielleicht), während die Interviews mit Fischer und seinen Zeitgenossen mit einfachen Mitteln äusserst bildstark inszeniert sind. Wer dem in die Jahre gekommenen und rundlich gewordenen Herr seine Selbstgefälligkeit im Hinblick auf seine zweifellos ausserordentliche Vita verzeiht und einfach zeitgenössisches Dokumentarfilmen at it’s best geniessen möchte, der sollte den Film auf keinen Fall verpassen.

Joschka und Herr Fischer läuft  in Zürich im Riff Raff.

This entry was written by zmy, posted on June 30, 2011 at 6:25 pm, filed under Film. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Die weisse Wurst

Ja, Zürich geniesst noch nicht den Ruf eines Wurst-Mekkas und erst Recht nicht den einer Weisswurst-Hochburg. Und doch habe ich in den vergangenen Monaten so viele Weisswürste in Zürich aufgetischt  – und aufgetischt bekommen – dass es auch verkehrt wäre, Zürich als weissen Fleck auf der Wurstlandkarte zu bezeichnen. Man könnte sagen, es ist wie so oft: Zürich mag eine verkaffte Metropole sein, aber die Wurst lassen wir uns dann doch nicht vom Brot nehmen. (more…)

This entry was written by zmy, posted on May 17, 2011 at 4:52 am, filed under Kochen and tagged , , , , , . Leave a comment or view the discussion at the permalink.

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